Nominierungen 2017

Der Leseclub Augustiniok ist in der Jugendjury des Deutschen Jugendliteraturpreises.


Donnerstag, 17. September 2015

Du neben mir- und zwischen uns die ganze Welt

Nicola Yoon

Dressler Verlag



Ein weißes, steriles Zimmer, ein weißes, steriles Haus: das ist Madelines Zuhause. Sie kennt nichts anderes, ist seit siebzehn Jahren nicht ein einziges Mal aus dem Haus gegangen und ist permanent abgeschnitten von der Außenwelt, denn Maddy hat einen seltenen, unheilbaren Immundefekt und darf wegen zu hohem Infektionsrisiko nicht das Haus verlassen. Durch Bücher lernt sie das "normale" Leben draußen kennen; sie und ein paar Lehrer, die sie via Skype unterrichten sind ihr einziger Kontakt zur Welt. 
Dann zieht in das Nachbarhaus eine Familie ein, mit Olly, einem Jungen, der schätzungsweise genauso alt ist wie sie. Mit ihm führt sie nächtelang Gespräche via Internet oder per Handzeichen am Fenster.
Bis zu dem Tag, an dem Olly zu Besuch kommen will...


Als ich das Cover gesehen habe, war ich gleich gefesselt von dem Wirrwarr aus bunten Symbolen, die alle als Zeichen für unsere verrückte, große Welt stehen und mitten drin die Buchstaben: "Du neben mir". Das tiefergestellte "Und zwischen uns die ganze Welt" hat mich anfangs verwirrt, gibt aber im Laufe des Buches immer mehr Sinn, denn obwohl sie beispielsweise nebeneinander sitzen, steht immer ihre Krankheit zwischen ihnen und damit der Traum, die Welt zu entdecken.

Maddy und Olly waren mir beide sehr sympathisch, wenn auch beide der typischen, klischeehaften Rollenverteilung (er, der unnahbare, geheimnisvolle Coole und sie, die schüchterne, unerfahrene Leseratte) entsprungen sind. Man lernt beide im Buch richtig gut kennen und mögen und bemerkt eine leichte, sehr authentische Wesensveränderung im Laufe der Handlung.
Die Geschichte ist realitätsnah geschrieben und nett zu lesen und es wird auch durch das Hintergehen der Mutter mit den geheimen Treffen noch mal Spannung geschaffen.
Alles in allem also eine gelungene Geschichte, nach deren Lesen man selbst die kleinen Dinge mehr beachtet und zu schätzen lernt, weil nicht alles selbstverständlich ist. Diese Kernaussage macht auch dieses Buch nochmals liebens- und lesenswerter!
Empfehlen würde ich es vorwiegend Mädchen ab zwölf, denen Liebesgeschichten gefallen.


Alter: all age





Anna (14)

Sonntag, 13. September 2015

Die Bucht

Sarah Alderson

Ravensburger Verlag



Die sechzehnjährige Ren darf dieses Jahr als Au-Pair auf Nantucket verbringen, einer Insel an der Westküste der USA, auf der Luxusartikel wie ein Poolhaus, Personal und extra Partyhäuser bei den meisten Leuten zur Standardausstattung gehören. Umso toller für Ren, als sie zu den Tripps kommt, einer Familie mit zwei kleinen Kindern, auf die sie den Sommer über ab und an aufpassen soll, die aber sehr herzlich und freundlich ihr gegenüber und trotzdem mit einigen Reichen gut befreundet sind, sodass Ren auch die Glamourseite der Insel kennen lernt: jedes Wochenende Party, Party, Party.
Auf so einer Party lernt sie auch Jeremy kennen, der sie in die It- Clique der Insel einführt, bestehend aus aufgetakelten Mädchen mit heißen Bikinifiguren und sportlichen Jungs. Nur mit Sophie versteht sie sich auf Anhieb richtig gut, Jeremys Schwester Eliza und deren Busenfreundinnen lehnen sie partout als "Personal" ab. Zwischen ihr und Jeremy knistert es gewaltig doch sie fühlt sich auch zu Jesse hingezogen, der aber offensichtlich mit Jeremy und dessen Clique verfeindet ist.
Ren ist hin und her gerissen, doch so lange sie nicht weiß, was letzten Sommer passiert ist, möchte sie keine Entscheidung treffen. Plötzlich häufen sich Morde an Kindermädchen auf der Insel und nun muss sich Ren bald entscheiden: auf wessen Seite möchte sie stehen?

Anfangs hat mich das Cover und der Titel stark an mein Lieblingsbuch "Die Insel" von Manuela Martini erinnert, allerdings mit einem anderen Thema, wie sich bald herausstellte.
Anfangs war noch so eine richtige Urlaubsatmosphäre, verwandelt sich die Stimmung im Laufe des Buches in eine düstere unheilvolle Atmosphäre, die Spannung steht geradezu greifbar zwischen den Zeilen, spitzt sich zu und entlädt sich schließlich mit einem riesigen BOOM! Also in puncto Spannungsaufbau schon mal erste Sahne.
Basierend auf einer Grundgeschichte baut die Handlung mit einzelnen, geschickt eingeflochtenen Nebenhandlungen logisch aufeinander auf. Die Schriftgröße war für meinen Geschmack okay und auch die vereinzelten Chats mit der besten Freundin an den richtigen Stellen lockerten alles noch mal schön auf. Generell hatte der Mix aus Liebe, Urlaub, Action, Thriller, Zwiespalt und Feindschaft etwas sehr Packendes, aber durch den grandiosen Schreibstil Aldersons, der mich sofort durch die absolute Lässigkeit in den Bann gezogen hat, wirkt nichts überladen oder zugestopft, weil der ganze Roman sehr komplex ist. Und da muss ich noch mal auf den Anfang zurückkommen, denn in dieser Hinsicht ähnelt es sehr meiner Ansicht meines Lieblingsbuches.

Also ein rundum gelungenes, wunderbares, spannendes Buch, das ich allen empfehlen würde, die beispielsweise ähnliche Bücher wie "Die Insel" von Manuela Martini oder "Indigosommer"  von Antje Babendererde schon gelesen haben.

All age



Gelesen von Anna (14)

Freitag, 11. September 2015

Es gibt uns doch!

Marina Budhos 

DTV-Pcket Verlag



Nadira lebt mit ihrer Familie in New York, wo sie ein ganz normales Leben lebt: Nadira und ihre Schwester Aisha gehen aufs College, ihre Eltern arbeiten.
Sie könnten eine ganz normale Familie sein, doch das sind sie nicht. Sie sind illegale Einwanderer aus Indien, die in den USA unter falschem Namen leben.
Bald müssen sie feststellen, dass sich das "Land der tausend Möglichkeiten" zumindest für sie nicht nur als rosig entpuppt: Abba, Nadiras Vater, findet immer weniger Stellenangebote, so sehr er sich bemüht und auch für die beiden Mädchen ist es nicht leicht, soziale Kontakte zu knüpfen, wenn ihnen verboten wird, über die Heimat zu reden, etwas von sich preiszugeben.
Doch die Situation für alle Muslime ändert sich vor allem durch den Anschlag am 11. September schlagartig: alle jungen, männlichen Muslime unterliegen der Meldepflicht und werden bei unzulässigen Papieren verhaftet. Nadiras Familie kennt viele, die sich melden lassen und dann nicht mehr zurück kommen. Und gerade Nadiras Mutter bekommt auch die Schicksale der zurückgebliebenen Frauen und Kinder mit, oft ohne Wohnung, ohne Geld, ohne alles.
Um einem solchen Schicksal zu entgehen, beschließt Abba eines Morgens, nach Kanada auszuwandern und dort Asyl zu beantragen. Nadira darf niemandem etwas sagen, sie verschwinden einfach genauso lautlos und ohne Spuren zu hinterlassen, wie sie gekommen sind.
Doch an der Grenze wird Abba als "Sicherheitsrisiko" eingestuft und inhaftiert.
Gemeinsam kämpfen nun Nadira, Aisha und ihre Mutter um die Freilassung ihres Vaters.
Denn im Prinzip wollen sie nur eines: genauso frei und mit vielen Möglichkeiten leben, wie alle anderen auch.

Zuerst einmal: ich würde sagen, dass der Titel hervorragend getroffen ist.
Aussagekräftig, verrät nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig - genauso wie der Klappentext.
Das Cover ist auch okay, für mich allerdings nicht spezifisch genug auf das Buch abgestimmt, weil man nicht einmal im Groben erkennt, um was es geht. Man könnte es quasi auch als Titelbild für alles Mögliche nehmen, aber so passt es auf jeden Fall.
Zum Inhalt möchte ich sagen, dass es natürlich ein Thema nah an der Zeit ist, das auch heute noch genauso aktuell ist wie 2006, als das Buch geschrieben wurde. Verwandte Bücher sind beispielsweise "Kick it like Beckham" von Narinder Dhami, das sich zwar nicht unbedingt um die Probleme illegaler Einwanderer dreht, aber doch um die Integrationskonflikte von Menschen, die einer anderen Kultur angehören.
Es war auch emotional berührend, das Schicksal dieser Menschen mitzuerleben, was sie alles durchmachen müssen, eigentlich nur, weil sie für das kämpfen, was für uns alle selbstverständlich ist: eine Zukunft. Gerade auch Aishas Abschlussrede ist sehr berührend und verdeutlicht noch mal alle Probleme.
Also könnte man schon sagen, dass es ein sehr tiefsinniges Buch ist, das auf alle Probleme genau eingeht und in dem nichts beschönt wird.
Allerdings muss man dem auch beifügen, dass mir eine Situation sehr seltsam vorkam, nämlich die, in der Nadira das Geheimnis des Vaters ihrer besten Freundin aufdeckt. Das geht ratz-fatz und geradezu problemlos. Ich weiß nicht, vielleicht soll das so eine Art Mittel sein, die Unwichtigkeit der Probleme unserer Gesellschaft zu demonstrieren?!
Aber auf jeden Fall war das, im Vergleich zu den ernsthaft beschriebenen restlichen Problemen im Buch irgendwie ein bisschen... kindisch. Oder zumindest zu schnell aufgedeckt.
Trotzdem alles in allem ein gelungenes Buch, das sich lohnt, zu lesen!
Empfehlenswert auch für den Schulunterricht (7. Klasse?), weil man über solche gesellschaftlich wichtigen Themen aufgeklärt werden sollte.



Ab 12





Gelesen von Anna (14)

Mittwoch, 9. September 2015

Der tiefe Fall der Cécilia Price

Kelly Fiore 

Coppenrath Verlag



Nachdem Cecilia den Notruf gewählt hat um den Tod ihres Bruders zu melden, schweigt sie. Sie muss eine Verhaltenstherapie machen, bei der sie ihre Erlebnisse erzählen und verkraften soll. Dort wartet sie auf ihren Prozess und redet mit niemandem über ihre Erlebnisse: darüber, dass ihr Bruder ein abhängiger Junkie war und ihr Leben versaut hat. Oder auch darüber wie schuldig sie sich fühlt: sie hält sich für eine Mörderin.  
Aber nur Cecilia kann aufklären, was an jenem Tag geschah und Licht ins Dunkel bringen.


Ich habe dieses Buch gewählt, da ich mehr über das Thema Drogen erfahren wollte, da ich nicht sehr viele Bücher zu diesem Thema gelesen habe und weil sich die Geschichte ganz gut angehört hat. 
Es werden viele Einblicke in Cecilias Psyche gewährt und die Zusammenhänge werden klar dargestellt. 
Die Geschichte ist eigentlich ganz interessant, jedoch hat sie für mich wenig Substanz und wirklich spannend finde ich das Ganze auch nicht. Die Geschichte ist irgendwie zu kurz und beinhaltet viele unnötige Informationen, die durch spannendere Parts ersetzt werden könnten. Das Buch war ganz nett zu lesen, der "Burner" war es allerdings nicht und ich denke, es gibt viel bessere Bücher zu diesem Thema. 
 
Ich kann das Buch deshalb nicht wirklich weiterempfehlen. 

Gelesen von Katrin(16)

Freitag, 4. September 2015

Heldentage

Sabine Raml

Heyne fliegt


Die sechzehnjährige Lea, von ihren Freunden wegen der langen, glatten Haare "Spaghetti" genannt, ist anders als alle anderen in ihrem Alter. Und das nicht, weil sie ein bisschen verrückt ist oder ein wenig anders tickt als andere. Nein, es ist wegen ihrer alkoholsüchtigen Mutter, die sie fast rund um die Uhr versorgen muss. Fast täglich holt sie mit dem sowieso schon knappen Geld teure "Flaschenfreunde" beim alten Erich, muss schauen, wie sie an Essen kommt und sich obendrein noch blöde Bemerkungen ihrer Mutter anhören, wenn sie den Alkohol vergessen hat.
Doch auch sonst hat es Lea nicht leicht: weil sie sich immer um ihre Mutter kümmern muss, auf irgendwelchen Ämtern rumsitzt, um neue Anträge zu stellen, muss sie öfter die Schule schwänzen, weshalb sie das letzte Schuljahr wiederholen musste - zu viele Fehlstunden. Im Klartext: mit Babys in einer Klasse und die ganze Clique eine Stufe höher, Treffen nur noch in den Pausen.
Lenny, ihr bisher erster Freund, serviert sie mit der blödesten Ausrede überhaupt von einem Tag auf den anderen ab, nämlich, seine Eltern hätten ihm den Kontakt zu ihr verboten, sie sei "ein schlechter Umgang" für ihn. Totaler Schwachsinn, findet Pola, Leas durchgeknallte beste Freundin, die Spaghetti so gut es geht mit Rat und Tat zur Seite steht.
Denn da wäre ja noch dieser neue Junge in der Clique und die Möglichkeit, mit Pola und ihrer Mutter in den Sommerferien nach Mallorca zu fliegen. Wäre da nur nicht Leas Mutter...

Das Cover bei diesem Buch hat mich sofort angesprochen, weil es ein bisschen etwas von einem Roadmovie hatte, zumindest vermittelte es bei mir gleich das Gefühl von Freiheit, Loslassen, Träume-Verwirklichen, gerade auch mit diesem Aufruf unter dem Titel "Do what you love!", der auch immer wieder im Buch vorkommt.
Der Inhalt war dann... weniger so, wie ich es erwartet hatte, aber deswegen nicht weniger gut. Bei dieser optischen Aufmachung hätte ich aber eher etwas erwartet, das in die Richtung von "Der Soundtrack meines Lebens" von Jessi Kirby aus dem Thienemann-Verlag geht, weil sich bei mir irgendwie nicht dieses Gefühl eingestellt hat, das ich vorhin beim Cover beschrieben habe. Trotzdem hat es mich gefesselt, weil es nicht (nur) aus der Sicht der leidtragenden Protagonistin handelt, die mit allem sooo überfordert ist, die aber stark und tapfer ist und sich nach ein paar läppischen Tränchen selbt hilft und am Ende alles richtig macht. Es ist sehr authentisch geschrieben, auf keinen Fall aufgesetzt und immer nah an der Realität, weil man sich als Jugedlicher eben manchmal so fühlt, als ob man am liebsten auf den Mond auswandern würde. Und weil sie auch immer ihre ganzen Gedanken aufschreibt, sodass alles im Zusammenhang steht und in ihrer ganz eigenen Logik Sinn ergibt, scheint auch nichts irgendwie unlogisch oder unverständlich.
Lea alias Spaghetti war mir, zugegebenermaßen, nicht von Anfang an sympathisch, weil sie mir anfangs so unnahbar und derbe vorkam. Aber man gewöhnt sich schnell an ihre direkte Art, weil jeder schon einmal, denke ich, beispielsweise so wie sie über gewisse Dinge gedacht hat (dieser Satz ergibt erst Sinn, wenn man das Buch gelesen und über ihre Sichtweise auf verschiedene Dinge gelacht hat).
Also alles in allem ein sehr realistisches, gutes Buch, das einem zeigt, wie wertvoll und wichtig Freunde sind, wenn einem scheinbar alles misslingt und man keine starke Familie hinter sich hat, die einen auffängt.
Meiner Meinung nach vorwiegend Mädchen ab dreizehn zu empfehlen, die Lust haben, einen Mix aus Alltagsproblemen, Liebe, Freundschaft, Wünschen und Sehnsüchten zu lesen!



all age



Gelesen von Anna (14)

Mittwoch, 2. September 2015

Klar ist es Liebe

Sandy Hall 

Sauerländer Verlag




Es geht um die Liebe zwischen Lea und Gabe. Sie sind beide sehr schüchtern und trauen sich nicht, miteinander zu reden obwohl sie sich gegenseitig sehr mögen. Finden die beiden zueinander?

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Es war eine neue Erfahrung für mich, dass es 14 Erzähler gab, das Buch wurde dadurch spannender. Die Autorin hat einen guten Schreibstil, der mich an manchen Stellen zum Lachen gebracht hat. Der Inhalt war auch sehr schön, in die Geschichte von Gabe und Lea kann man sich verlieben. Das Buch ist für Mädchen und Jungen geeignet, ich glaube aber, dass es den Jungs zu langweilig ist.


 ab 13 Jahren




Gelesen von Marlene (14)