Nominierungen 2017

Der Leseclub Augustiniok ist in der Jugendjury des Deutschen Jugendliteraturpreises.


Freitag, 30. Oktober 2015

Sophie auf den Dächern

Katherine Rundell

Carlsen Verlag


Seit einem Schiffsunglück im englischen Kanal, als Sophie noch ein Baby war, ist sie Waise und lebt bei dem liebenswerten, etwas eigenartigen Charles, der sie in seiner Obhut hat. Zumindest glauben alle, sie wäre Waise, doch Sophie ist sich sicher, dass ihre Mutter noch lebt. Allerdings ist das Einzige, das sie mit Sicherheit von ihr weiß, dass sie Cello auf dem Schiff gespielt hat, Hosen trug - in einer Zeit, in der das nicht typisch für eine Frau war - und dieselben Haare hatte wie sie: leuchtend wie ein Blitz. Bei Charles lernt sie Cello, er unterrichtet sie in den mehr oder weniger wichtigen Sachen des Lebens und die beiden kommen super miteinander klar, bis eines Nachmittages das Jugendamt vor der Tür steht, das die "Erziehung eines Mädchens von einem Mann" für nicht vertretbar hält. So beschließen Sophie und Charles zu fliehen, nach Paris, dorthin, wohin sie die einzige Spur ihrer Mutter führt, denn von dort ist das Label des Cellokoffers, der von Sophies Mutter stammt.
In Paris suchen sie vergebenes nach der Mutter, doch dafür trifft Sophie einen seltsamen Jungen, der auf den Dächern wohnt, unternimmt abenteuerliche, nächtliche Touren über die Dächer von Paris, direkt unter dem Himmel und freundet sich mit dem geheimnisvollen Jungen an...

Zuallererst: das Buch hat mir wirklich gut gefallen, weil es von etwas handelte, das ich in dieser Form noch nie so gelesen habe. Klar, das Waisenkind auf der Suche nach den Eltern kommt in vielen Büchern vor, aber nie hatte es einen annähernd so coolen Stiefvater wie Sophie und die schön eingeflochtene Handlung mit dem Jungen und dem Leben auf den Dächern fand ich echt faszinierend. Ich muss auch dazu sagen, dass ich in der Zeit, nachdem ich das Buch gelesen habe, öfter mal nach oben zu den Dächern geschaut habe und mir vorgestellt habe, wie es wäre, dort oben zu laufen und auf alles hinunter zu sehen.
Auch das Cover und der Titel haben mir gefallen, denn beide spiegeln genau das wieder, um das es im Buch geht, allerdings ohne zu viel  zu erwarten. Schön am Cover fand ich auch die beiden Silhouetten von einem Mädchen und einem Jungen, da es so eine Situation im Buch wirklich gibt und die Verbindung mit Frankreich durch den Eiffelturm. Gerade die im Cover beschriebene Situation mit dem Mädchen und dem Jungen, die über die Hausdächer rennen, lässt sich für jemanden, der das Buch schon gelesen hat, leicht mit dem Gelesenen in Verbindung bringen, jemand, der das Buch zum ersten Mal sieht, kann sich noch kein deutliches Bild von der Handlung machen. Gekonnt, würde ich sagen.
Zuletzt gibt es allerdings auch Kritikpunkte, wenn auch kleine, aber ich finde, auch die müssen erwähnt werden. Erstens war die Schrift für meinen Geschmack zu groß und was mich daran so stört, ist, dass es für mich dann immer an Ernsthaftigkeit verliert, quasi für Jüngere. Dann hatte der ganze Roman etwas... Kindliches. Naives. Das soll jetzt nicht nur negativ klingen, denn es war eigentlich ganz süß, ein Buch aus der Sicht eines kleinen Mädchens zu lesen, nur an manchen Stellen war es dann auch schon fast wieder etwas nervig, über was sie sich alles Gedanken macht. Doch immer wieder bringt die wirklich berührende Suche nach der Mutter die nötige Ernsthaftigkeit in die Handlung und alles in allem ist es ein empfehlenswertes Buch, das ich vor allem Mädchen ab zwölf ans Herz legen würde, die sich für den oben beschriebenen Inhalt interessieren. Anders kann ich es leider nicht ausdrücken, denn ich habe noch nie ein Buch gelesen, das vom Inhalt her mit diesem vergleichbar wäre.



Ab 12


Gelesen von Anna (14)

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