Nominierungen 2017

Der Leseclub Augustiniok ist in der Jugendjury des Deutschen Jugendliteraturpreises.


Samstag, 8. Juli 2017

Barney Kettles bewegte Bilder

von Kate de Goldi

aus dem Königskinder-Verlag


Gemeinsam mit seiner organisations-fanatischen Schwester Ren überlegt sich der angehende Filmemacher Barney jede Ferien eine neue Story, in der die Kinder der Straße mitspielen. Er organisiert die Drehtage und schneidet am Ende den Film, sodass jedes Mal ein kleines, mehr oder weniger perfektes Meisterwerk entsteht. Dabei treten immer wieder Komplikationen auf, die den Zeitplan erheblich verzögern und die Geduld der beiden strapazieren: unpünktliche, unmotivierte Schauspieler, Kritik an der Handlung, schlechtes Wetter. Nach einer Schaffenskrise kommt Barney die zündende Idee: Das neue Projekt wird die "unerzählte Geschichte", in der alle Bewohner der Straße sich selbst spielen und in der ihre Lebensgeschichten die Hauptrolle spielen; eben alles, was ihre Gemeinschaft ausmacht. Das Meiste läuft nach Plan, aber dann tauchen Umschläge eines mysteriösen Orange Boys auf, Diebstähle häufen sich- und irgendwie scheint alles zusammenzuhängen...

Allein das Cover dieses Romans hat mir extrem gut zugesagt, weil es schon einen Ausblick darauf gibt, dass auf eine eigene Art das Festgeschriebene im Buch mit dem Medium Film und Video verknüpft ist. Eine interessante und ungewöhnliche Kombination, weshalb auch die Handlung immer überraschend bleibt. Zumindest ich habe noch nichts Ähnliches gelesen.
Der Spannungsbogen wurde stetig aufgebaut, auch wenn es am Anfang etwas langgezogen auf mich wirkte, obwohl das natürlich daran lag, dass so viele Charaktere eingeführt wurden, die zwar nicht alle superwichtige Rollen in der Handlung übernehmen, aber trotzdem eben dazugehören. Andererseits kam dadurch die Vielseitigkeit gut raus, alle Personen mit ihren Eigenarten, die sie so besonders machen, ohne dass es zu überspitzt wirkte. Das bringt mich gleich zum nächsten Punkt: ein gegensätzliches Geschwisterpaar als Hauptpersonen, die aber ausnahmsweise mal nicht gegeneinander kämpfen (obwohl sie sich natürlich auch mal zoffen), sondern weitestgehend zusammen im Team arbeiten, das hat wirklich Seltenheitswert.
Für mich ein rundum gelungens, mal etwas anderes, abwechslungsreiches Buch, in dem geschickt verschiedene Handlungstypen und -stränge miteinander verknüpft sind. Absolut empfehlenswert!


Gelesen von Anna (15)  

Samstag, 1. Juli 2017

Mein Name ist nicht Freitag

von Jon Walter

aus dem Königskinder-Verlag




Amerika zu Zeiten des Bürgerkriegs. Der zwölfjährige Samuel hat früh seine Eltern verloren. Die einzige Familie, die ihm bleibt, ist sein jüngerer Bruder Joshua, den er zu beschützen versucht. Als Samuel eines Tages versucht seinem Bruder aus der Klemme zu helfen, findet er sich auf dem Sklavenmarkt wieder. Sein Name ist jetzt Freitag und er wird als Sklave verkauft. Als Sklave hat er keinerlei Rechte mehr. Sein neues Leben ist hart und niemand darf wissen, dass Samuel lesen und schreiben kann. Diese Gelegenheit nutzt er aus, um allen anderen Sklaven heimlich das Lesen und Schreiben beizubringen. Er findet Freunde, die ihn durch die schrecklich langen Tagen begleiten und ihm helfen sich nicht zu verlieren oder aufzugeben. 

Wir durchleben mit Samuel schwere Zeiten auf der Plantage und fürchten uns vor dem sich bedrohlich nähernden Krieg, der zugleich die Hoffnung auf Freiheit und ein Wiedersehen mit sich bringt.

Jon Walters Schreibstil ist flüssig, authentisch und sehr realistisch. Sein Buch ist wunderschön, traurig und hoffnungsvoll. 


Gelesen von Raquel



Dienstag, 27. Juni 2017

Lara oder der Kreislauf des Lebens

von Bueno, Macip, Martorell

aus dem Hanser Verlag

"Alles auf unserem Planeten ist zu etwas gut! Alle Lebewesen sind miteinander verbunden, sie beeinflussen sich gegenseitig. Das ist Teil des Lebens - und es ist erstaunlich und fantastisch"

Lara ist 14 Jahre alt und hat eine schwere Krankheit.
Das ganz Buch spielt sich in der einen Nacht ab, von der noch nicht sicher ist, ob Lara diese überhaupt überleben wird.
Am Anfang dieser Nacht kommt Carmen, eine Krankenschwester, zu Lara ans Bett und verwickelt Lara in ein Gespräch über das Leben und seine Bedeutung. Angefangen bei winzigen Bakterien wandert ihr Gespräch über Tiere, den Menschen und auch die Bedeutung des Lebens für den Planeten Erde. Immer tiefer tauchen sie in die Biologie ein und stellen sich Fragen wie was es eigentlich bedeutet zu leben und was es mit dem Tod auf sich hat. Lara wird immer mehr bewusst, dass es eigentlich an ihr liegt, ob sie kämpft und die Chance nutzt, die sie hat um diese Nacht zu überleben oder ob sie aufgibt.
Doch wie sie sich dann entscheidet möchte ich hier nicht verraten.
Das Buch regt wirklich zum Nachdenken an. Mir ist oft aufgefallen, wie ich zum Beispiel beim Essen immer wieder Anregungen dieses Buches ins Gespräch einbringe. Und es hat dann auch wirklich viel Spaß gemacht, die Gedanken weiterzudenken und in der Familie oder mit Freunden darüber zu diskutieren.
Das Buch hat nur relativ wenig Seiten und diese bestehen hauptsächlich aus einem Dialog zwischen Lara und Carmen doch auch in nur wenigen Seiten kann sehr viel gesagt werden. Zwischen den einzelnen Kapiteln befinden sich wunderschön illustrierte Seiten. Vor allem das Ende hat mir sehr gut gefallen.
Es ist auf jeden Fall ein Buch, welches man gelesen haben muss, wenn man sich gerne mit Biologie oder dem Leben an sich auseinandersetzt.

Gelesen von Svenja

Freitag, 23. Juni 2017

Den Mund voll ungesagter Dinge

von Anne Freytag

aus dem Heyne Fliegt Verlag

Eines der besten Jugendbücher, die ich in den letzten Jahren gelesen habe!


Sophie ist wütend auf alles aber vor allem auf ihren Vater, der beschlossen hat, ein neues Leben anzufangen. Er möchte mit Sophie von Hamburg nach München ziehen, zu einer Frau, die Sophie noch nie gesehen hat und die sie bestimmt nicht leiden können wird. Dass ihr bester Freund in Paris lebt und sie jetzt die Neue in der Schule sein wird, die von allen angegafft wird, macht ihr Leben nicht gerade leichter.

Wer bin ich? Ist die Frage, auf die Sophie keine Antwort findet. Irgendwie scheint sie in keine Schublade zu passen. Liegt es vielleicht daran, dass sie ihre Mutter nie kennengelernt hat, oder ist sie einfach kein normaler Mensch? Dass sie noch nie richtig verliebt war, liegt bestimmt daran, dass sie keine Ahnung hat, was Liebe überhaupt ist. Als Sophie auf Alex trifft, hat sie zum ersten Mal das Gefühl, dass auch ihr Leben voller Leichtigkeit sein könnte, wenn sie sich nur trauen würde.

In den ersten fünfzig Seiten hat mich Sophie etwas deprimiert, sie war so negativ eingestellt, es hat mich genervt und ich war wütend auf sie, weil sie niemandem eine Chance geben wollte. Doch als ihr klar wird, wie schön dieses neue Leben sein kann und dass niemand ihr etwas Böses will, lässt sie sich darauf ein. Mit Alex fällt es ihr leichter, über ihre Gedanken zu reden und zu ihren Gefühlen zu stehen, fast so wie bei Lukas, ihrem besten Freund. Dass sie sich jemals einem anderen anvertrauen würde, daran hat sie nie geglaubt.

Ihre Freundschaft zu Lukas ist ehrlich, sie können über alles miteinander reden, ohne Angst zu haben, verurteilt zu werden. So eine Freundschaft verträgt die hässliche Wahrheit, die dir keiner zu sagen vermag, es gibt sie nicht ein zweites Mal.

Als Sophie zum ersten Mal starke Gefühle für jemanden empfindet, ist es für den Leser authentisch, gefühlvoll und so intensiv beschrieben, man kann das Kribbeln unter der Haut schon fast selber spüren.


Anne Freytag kann mit einen einfachen Satz so viele Emotionen auslösen, dass es unbeschreiblich ist. 




Gelesen von Raquel

Donnerstag, 22. Juni 2017

Vierzehn

von Tamara Bach 

aus dem Carlsen Verlag


Die vierzehnjährige Beh ist zwei Wochen vor den Sommerferien krank geworden und hat ihre Freundinnen nun acht Wochen nicht mehr gesehen. In dieser Zeit hat sich vieles in Behs Leben verändert. So haben sich ihre Eltern getrennt, ihre Freundinnen waren ohne sie im Urlaub und Beh hat jemanden kennen gelernt...

Das Buch ist sehr schmal und mit seinen ca. 100 Seiten schnell gelesen. Dafür erzählt es in einem sehr eigenen Schreibstil so einiges. Allerdings war das Buch für mich etwas zu kurz, so bekommt man zwar einen ganz guten Einblick in Behs Situation, aber nach dem Lesen hatte ich irgendwie das Gefühl, dass etwas fehlte. Als wäre dieser eine Tag einfach etwas wenig. Zum Beispiel in Hinsicht auf ihre Freundinnen. Warum scheint es so, als wären diese ihr nun völlig egal?
Der Schreibstil ist, wie schon gesagt, ein wenig eigen. In ganz kurzen Sätzen wird wirklich jedes Detail dieses Tages erzählt. Das Buch wird aus Behs Sicht erzählt, jedoch wird der Leser immer mit du angesprochen, wodurch das Gefühl entsteht, selbst die Hauptperson zu sein.

 



Hier kannst du dieses Buch kaufen! 

Gelesen von Nina

PS: I still love you

von Jenny Han

aus dem Hanser Verlag

Lara Jean´s Leben steht Kopf: Nach der vorgetäuschten Beziehung mit Peter, die nach dem Kuss im Pool zu einer richtigen wird, stehen die beiden (hauptsächlich Lara Jean) vor der neuen Herausforderung, eine wirkliche Beziehung zu meistern.
Immer wieder gibt es seltsame Vorfälle, bei denen sich einer der beiden über den jeweils anderen aufregt, weil er sich nicht so verhalten hat, wie er oder sie es erwartet hätte. Ein Unbekannter veröffentlicht anonym ein Video, das die beiden beim Knutschen zeigt. Lara Jean´s große Schwester verbringt einige Zeit im Ausland, wodurch der ganze Haushalt im Chaos versinkt und dann wäre da auch noch Josh...
Über Langweile kann sich Lara Jean derzeit jedenfalls nicht beklagen! 
Ich habe das Buch sofort mitgenommen, als ich gesehen habe, dass es rausgekommen ist, da ich den ersten Band der Trilogie gelesen habe und er mir sehr gut gefallen hat. Scheinbar war das aber schon etwas länger her oder der Stil der Autorin hat sich verändert, jedenfalls hat es mir bei Weitem nicht mehr so gut gefallen wie der Vorgängerband. Das ist irgendwie seltsam, denn das Grundthema, die Personen, alles ist identisch, eben nur die Fortsetzung davon. Darin kann natürlich auch ein Grund liegen: es kam nichts Neues, nichts wirklich Überraschendes mehr und wirkte auf mich vielleicht deshalb ein wenig langweilig. Zusätzlich dazu schien mir Lara Jean aber auch kindlicher als im ersten Band, unüberlegter, weshalb ich mich auch schlecht mit ihr identifizieren konnte.
Die Handlung wirkte an vielen Stellen planlos, irgendwie ohne erkennbares Ziel, quasi ohne dass die Autorin weiß, wo die Geschichte eigentlich hingehen soll. Eigentlich mag ich auch den Schreibstil der Autorin, aber da mich die Handlung dieses Mal nicht so sehr gefesselt hat, wirkte auch der nicht mehr so prägnant wie zuvor.
Ich hoffe, das nächste Buch gefällt mir wieder besser und vielleicht wird Lara Jean dann auch in ihrem Verhalten ein bisschen reifer, sodass man über die Trilogie einen persönlichen Fortschritt als Leser erkennen kann, der sich nicht nur durch das erwähnte Alter auszeichnet.
Gelesen von Anna (15)

Dienstag, 20. Juni 2017

Morgen lieb ich dich für immer

von Jennifer L. Armentrout

aus dem CBJ-Verlag



Als Kinder kommen Mallory und Rider gemeinsam in dieselben Plegefamilien, bleiben zwar über Jahre hinweg zusammen, werden aber immer wieder in anderen Familien untergebracht und umhergereicht, bis sie schließlich in bei einem Ehepaar wohnen, dass sie nur des Geldes wegen adoptiert und íhnen das Leben zur Hölle macht: sie werden eingesperrt, geschlagen, dürfen nicht mit am Tisch sitzen- führen allgemein ein unmenschliches Leben. Und obwohl Rider verzweifelt versucht, für sie beide stark zu sein und Mallory immer zu beschützen, kann er die traumatischen Erlebnisse nicht völlig auslöschen. Als es zum Eklat kommt, die Situation ausufert und die beiden getrennt werden, gelingt Mallory der lang ersehnte Ausstieg aus diesem Leben: sie wird von einem fürsorglichen Ärzteehepaar adoptiert, dass versucht, die von ihrer Vergangenheit zu lösen und ihren Blick nach vorne zu richten. Mallory tut sich anfangs schwer, fasst aber mit der Zeit immer mehr Vertrauen und beginnt, sich langsam "normal" zu fühlen, sodass sie sich nach einem Jahr bereit fühlt, zur Schule zu gehen. Es läuft alles gut- bis sie auf Rider trifft, den sie seit dem abrupten Ende ihrer schweren Kindheit nicht mehr gesehen hat. Rider, ihre einzig positive Erinnerung aus Kindertagen; Rider, ihr Beschützer, der versprochen hat, immer für sie da zu sein. Was für ein Rider steht heute vor ihr? Er scheint sich verändert zu haben, hat eine Freundin und dubiose Freundschaften, aber dennoch fühlen sie sich sofort wieder so verbunden wie früher. Kann ihre Freundschaft auch in dem neuen Umfeld Bestand haben?

Mir hat das Buch gut gefallen, weil es den Spannungsbogen langsam aber stetig aufbaut. Riders Geheimnisse und die Unsicherheit ihrer Freundschaft und die ständig im Raum stehende Frage "Wie geht es mit uns weiter?" bringen den nötigen Kick in die Handlung und animieren zum Weiterlesen. Nichts desto trotz muss gesagt werden, dass mir gerade der Anfang etwas zäh und langatmig vorkam, fast so, als wäre verzweifelt versucht worden, Seiten zu füllen, obwohl dieses Buch das sicher nicht nötig hat. Ich für meinen Geschmack finde es natürlich immer schön, auch mal etwas länger an einem richtig guten Roman zu lesen, wenn man einen gefunden hat, aber generell lieber kompakt, kurz und auf den Punkt und nicht langgezogen, langweilig und mit zu vielen Füllsätzen.
Zu den Charakteren: Rider verkörpert natürlich den typischen "Bad Boy" in Romanen, wenn man so will: geheimnsivoll, beliebt, irgendwie auch unberechenbar wegen seltsamen Freundeskreisen, aber denoch anziehend, weil er stark wirkt, die Beschützerrolle übernimmt- quasi harte Schale, weicher Kern. Diese Charakterzüge vereint in der männlichen Hauptperson sind gewiss nichts neu Erfundenes, dennoch glaube ich, wurde bei Rider die Persönlichkeit feiner ausgearbeitet und er wirkt verletzlicher und nicht so perfekt wie andere ähnliche Charaktere.
Zu Mallory: auch die Rolle des psychisch angeschlagenen Mädchens ist nicht neu, aber wieder gut ausgearbietet, weil beim Rückblick in die Kindheit keine harten Zeiten ausgespart wurden, aber auch nicht zu sehr auf die Tränendrüse gedrückt wurde und eben auch wenige positive Momente geschildert wurden. Beide Charaktere erscheinen facettenreich und gerade in Mallorys Gefühlswelt bekommt man einen guten Einblick, wobei sie mir irgendwie trotzdem nie wirklich sympathisch war.
Ein guter, etwas langatmiger Roman, nicht mein Lieblingsbuch, aber trotzdem zu empfehlen!




Gelesen von Anna (15)

Mittwoch, 22. März 2017

Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen

von Ulla Scheler 

aus dem heyne>fliegt-Verlag

Seit Hanna denken kann, ist Ben ihr bester Freund. Dabei könnten sie gegensätzlicher nicht sein: Hanna, die Brave, die Zurückhaltende und Ben, der Freigeist, der Künstler, der illegal Graffitis sprayt, von zu Hause ausreißt und das Abenteuer liebt. Als sie beide das Abitur in der Tasche haben, überredet er Hanna zu einer spontanen Reise ohne Ziel, die die beiden schlussendlich ans Meer bringt. Je länger sie dort gemeinsam Zeit verbringen, desto mehr entwickelt sich ihre Freundschaft zu einer Liebesbeziehung. Doch dann taucht auf einmal Chloé auf, ein seltsames Mädchen, das ihnen eine Legende erzählt, die besagt, dass jedes Jahr an diesem Strand ein junger Mann im Wasser stirbt und seine Freundin alleine zurücklässt. Anfangs belächeln die beiden das seltsame Mädchen und glauben nicht an die gruselige Legende, doch je länger sie bleiben, desto mehr fühlt sich Ben vom Meer angezogen. Auch die von dem Mädchen aufgezählten Anzeichen häufen sich und so langsam bekommt es Hanna mit der Angst zu tun. Mit Ben, der immer noch nicht an die Legende glaubt, streitet sie sich deswegen immer öfter - bis Ben eines Tages nicht vom Schwimmen zurückkehrt...
Dieses Buch hat mir richtig gut gefallen, weil die Handlung gleichzeitig berührend und spannend ist. Die Freundschaft entwickelt sich gerade in eine Liebesbeziehung, als ihr Verhältnis von Chloés Legende überschattet wird und sie sich schließlich deswegen voneinander entfernen. Glück, Trauer, Angst, das Gefühl von Freiheit, Wut und Action liegen hier nahe beieinander und gerade das macht das Lesen dieses Romans so spannend, weil man nie weiß, was als Nächstes kommt. Bis zum Schluss bleibt es spannend und man fiebert der Lösung entgegen - gibt es ein Happy End oder nicht?
Hannas Gefühle und Gedanken sind absolut nachvollziehbar, man kann sich gut in sie hineinversetzen, weil sie quasi die "Normale" in der Beziehung ist; gleichzeitig kann man aber auch ihre Faszination für Ben, den geheimnsivollen Geschichtenerzähler verstehen. Beide Protagonisten wirken menschlich, weil keiner als vollkommen und perfekt dargestellt wird. Lediglich Chloé war mir unsympathisch - was vielleicht auch ein bisschen gewollt war - selbst noch am Schluss (Leute, die das Buch gelesen haben, wissen warum).
Unbedingt empfehlenswert!
Gelesen von Anna (15)

Montag, 20. März 2017

All the strangest things are true

von April Genevieve Tucholke 

aus dem Thienemann- Verlag


Seit einem Jahr lässt sich Midnight immer wieder von Poppy umgarnen und er wird in ihrer Gegenwart stets zu ihrer Spielfigur, so wie jeder in Poppys Umfeld. 
Poppy, die aussieht wie ein Engel, die allen den Kopf verdreht, aber innerlich ein Biest ist und alle ständig nur rumkommandiert. 
Nun möchte Midnight endlich mit ihr abschließen und sich seelisch von ihr trennen und so kommt es ihm gerade recht, dass sein Vater ein Haus auf dem nahen Land gekauft hat, in Stadtnähe zwar, aber weit genug von Poppy entfernt, wie er anfangs glaubt.
Schnell freundet er sich mit Wink Bell an, dem seltsamen Mädchen vom Hof gegenüber mit vielen Geschwistern, wilden roten Locken, einer Mutter, die Tarotkarten legt und einer Sammlung von märchenhaften Geschichten über Helden, Liebe und Vergeltung. 
Doch Poppy kann Wink nicht ausstehen und kreuzt ständig auf, um ihnen die neu gewonnene Idylle zu verderben.
Die Anfeindungen gegen Wink von Poppy und ihrer Clique, den Gelben, werden immer schlimmer und Wink und Midnight beschließen schließlich, den Spieß umzudrehen, doch dann verschwindet Poppy und nicht mal ihre engsten Freunde haben eine Ahnung, wo sie stecken könnte. Es existieren nur Briefe, die mysteriöse Hinweise enthalten und die alle zu Midnight führen.
Treibt Poppy wieder eines ihrer intriganten Spiele, um sie gegeneinander aufzuhetzen oder ist es ihr diesmal ernst?
Der Roman ist echt fantastisch gut geschrieben- mit einer sehr poetischen Wortwahl und einer eigenen, zauberhaften Atmosphäre, wie in "Wir wussten beide, es war was passiert" von Steven Herrick aus dem Thienemann- Verlag.
Schon das Cover ist irgendwie genauso verträumt wie die Geschichte, lässt aber durch den Titel schon durchblicken: die verrücktesten Dinge sind wahr
Nun zu den Charakteren: die Grundkombination - ein Junge, die Schönheit und die Außergewöhnliche - ist natürlich keine Neuerfindung, aber grandios umgesetzt. Warum? Keiner ist von Grund auf gut oder böse und am Ende ist man als Leser, genau wie Midnight, im positiven Sinne total verwirrt, weil man nicht mehr weiß, wer auf welcher Seite steht. Die einzelnen Figuren sind gut ausgearbeitet und alle facettenreich dargestellt. Unterstrichen wird diese Vielseitigkeit auch dadurch, dass immer abwechselnd aus der Sicht von Midnight, Poppy und Wink erzählt wird, sodass Poppy einem - zumindest mir - nie so wirklich sympathisch ist, aber man sie trotz allem irgendwo noch verstehen kann
Mit jeder Seite baut sich die Spannung weiter auf, man weiß, das etwas passiert. Trotz ungewöhnlichem Ende und einem untypischen Happy End, ist man als Leser trotzdem "zufrieden".
Manchmal habe ich mich während des Lesens schon gefragt: geht es jetzt in Richtung Fantasyroman? Aber eigentlich hatte ich nie das Gefühl, es würde nur der magischen Spannung Willen zu dick aufgetragen oder zwanghaft versucht, es noch mehr krachen zu lassen. Klar, es ist vielleicht nicht für jeden etwas, weil es im Vergleich zu anderen Romanen kein "typisches Buch" ist, aber dafür ist es besonders und einzigartig. Routinierte Buchleser und Freunde verzwickter Handlungen mit Tiefe werden es lieben!


Ab 14
Gelesen von Anna (15)

Nichts ist okay

von Jason Reynolds und Brendan Kiely 

aus dem dtv-Verlag

Als Rashad vor einer Party noch kurz Chips in einem kleinen Laden kaufen möchte und er auf dem Weg zur Kasse kurz sein Handy aus der Tasche holt, wirft man ihm vor, die Chips klauen zu wollen. Ein Polizist, der zufällig im Laden ist, nimmt ihn nicht nur fest, sondern verprügelt ihn auch noch übelst, obwohl Rashad keinerlei Gegenwehr leistet. Quinn, der auch im Laden einkaufen wollte, hat den Vorfall beobachtet und ist geschockt: denn der Polizist war Paul, der große Bruder seines besten Freundes Guzzo, der für ihn wie ein Vater war und nun so brutal gehandelt hat.
Spoony, Rashads älterer Bruder, ist eindeutig davon überzeugt, dass der Polizist rassistisch gehandelt hat, weil Rashad dunkelhäutig ist. Doch Rashads Eltern stehen nicht hinter ihnen sondern glauben dass Rashad stehlen wollte.
Für welche Seite wird sich Quinn entscheiden?
Der Roman ist aus mehreren Gründen sehr spannend zu lesen, vor allem deshalb, weil die Geschichte abwechselnd aus zwei Perspektiven geschrieben ist und so quasi von verschiedenen "Parteien" erzählt. Es ist interessant zu sehen, mit welchen Problemen sowohl Quinn als auch Rashad zu kämpfen haben. Zudem ist das Thema gerade heute leider wieder hochaktuell und  ich finde es wichtig, gerade solche Bücher zu lesen, die nicht nur dokumentarisch irgendwelche Fakten auftischen, sondern eine Handlung schildern, die sich jeder zu Herzen nimmt und die wirklich zum Nachdenken anregt.
Die Charaktere sind gut ausgearbeitet, auch wenn die Schilderungen der vielen Freunde und Familienangehörigen der beiden Jungen anfangs ziemlich verwirrend sind.
Titel und Cover finde ich passend, weil es im ersten Moment so harmlos aussieht und man erst auf den zweiten Blick sieht: Nichts ist okay.

Ein brandaktueller Roman mit einer spannenden Story, der unbedingt gelesen werden sollte!

Ab 14
Gelesen von Anna (15)