Nominierungen 2017

Der Leseclub Augustiniok ist in der Jugendjury des Deutschen Jugendliteraturpreises.


Samstag, 8. Juli 2017

Barney Kettles bewegte Bilder

von Kate de Goldi

aus dem Königskinder-Verlag


Gemeinsam mit seiner organisations-fanatischen Schwester Ren überlegt sich der angehende Filmemacher Barney jede Ferien eine neue Story, in der die Kinder der Straße mitspielen. Er organisiert die Drehtage und schneidet am Ende den Film, sodass jedes Mal ein kleines, mehr oder weniger perfektes Meisterwerk entsteht. Dabei treten immer wieder Komplikationen auf, die den Zeitplan erheblich verzögern und die Geduld der beiden strapazieren: unpünktliche, unmotivierte Schauspieler, Kritik an der Handlung, schlechtes Wetter. Nach einer Schaffenskrise kommt Barney die zündende Idee: Das neue Projekt wird die "unerzählte Geschichte", in der alle Bewohner der Straße sich selbst spielen und in der ihre Lebensgeschichten die Hauptrolle spielen; eben alles, was ihre Gemeinschaft ausmacht. Das Meiste läuft nach Plan, aber dann tauchen Umschläge eines mysteriösen Orange Boys auf, Diebstähle häufen sich- und irgendwie scheint alles zusammenzuhängen...

Allein das Cover dieses Romans hat mir extrem gut zugesagt, weil es schon einen Ausblick darauf gibt, dass auf eine eigene Art das Festgeschriebene im Buch mit dem Medium Film und Video verknüpft ist. Eine interessante und ungewöhnliche Kombination, weshalb auch die Handlung immer überraschend bleibt. Zumindest ich habe noch nichts Ähnliches gelesen.
Der Spannungsbogen wurde stetig aufgebaut, auch wenn es am Anfang etwas langgezogen auf mich wirkte, obwohl das natürlich daran lag, dass so viele Charaktere eingeführt wurden, die zwar nicht alle superwichtige Rollen in der Handlung übernehmen, aber trotzdem eben dazugehören. Andererseits kam dadurch die Vielseitigkeit gut raus, alle Personen mit ihren Eigenarten, die sie so besonders machen, ohne dass es zu überspitzt wirkte. Das bringt mich gleich zum nächsten Punkt: ein gegensätzliches Geschwisterpaar als Hauptpersonen, die aber ausnahmsweise mal nicht gegeneinander kämpfen (obwohl sie sich natürlich auch mal zoffen), sondern weitestgehend zusammen im Team arbeiten, das hat wirklich Seltenheitswert.
Für mich ein rundum gelungens, mal etwas anderes, abwechslungsreiches Buch, in dem geschickt verschiedene Handlungstypen und -stränge miteinander verknüpft sind. Absolut empfehlenswert!


Gelesen von Anna (15)  

Samstag, 1. Juli 2017

Mein Name ist nicht Freitag

von Jon Walter

aus dem Königskinder-Verlag




Amerika zu Zeiten des Bürgerkriegs. Der zwölfjährige Samuel hat früh seine Eltern verloren. Die einzige Familie, die ihm bleibt, ist sein jüngerer Bruder Joshua, den er zu beschützen versucht. Als Samuel eines Tages versucht seinem Bruder aus der Klemme zu helfen, findet er sich auf dem Sklavenmarkt wieder. Sein Name ist jetzt Freitag und er wird als Sklave verkauft. Als Sklave hat er keinerlei Rechte mehr. Sein neues Leben ist hart und niemand darf wissen, dass Samuel lesen und schreiben kann. Diese Gelegenheit nutzt er aus, um allen anderen Sklaven heimlich das Lesen und Schreiben beizubringen. Er findet Freunde, die ihn durch die schrecklich langen Tagen begleiten und ihm helfen sich nicht zu verlieren oder aufzugeben. 

Wir durchleben mit Samuel schwere Zeiten auf der Plantage und fürchten uns vor dem sich bedrohlich nähernden Krieg, der zugleich die Hoffnung auf Freiheit und ein Wiedersehen mit sich bringt.

Jon Walters Schreibstil ist flüssig, authentisch und sehr realistisch. Sein Buch ist wunderschön, traurig und hoffnungsvoll. 


Gelesen von Raquel