Nominierungen 2017

Der Leseclub Augustiniok ist in der Jugendjury des Deutschen Jugendliteraturpreises.


Deutscher Jugendliteraturpreis 2017

Nominierungen von der Jugendjury 2017




Leseclub Augustiniok

Mit anderen Worten: ich

von Tarama Ireland Stone
aus dem Magellan Verlag
Ab 14


Bücher über Krankheiten gibt es viele. Im Jugendbuch mehr denn je. Deshalb ist es fast unmöglich ein Buch über eine Krankheit zu finden, von der wir vorher noch nie gelesen haben. Festzustellen, dass es noch innovative Ideen gibt, die stimmig und tiefgründig sind, stärkt unsere Moral.
Wir wollen außergewöhnliche, intelligente, authentische, mutige und starke Protagonisten erleben, die uns in ihre Welt entführen, uns überzeugen und uns die Augen für Neues öffnen. Wir wollen mit den Protagonisten lernen und uns mit ihnen weiterentwickeln. Wir brauchen jemanden wie Sam! 

Sam leidet an einer psychischen Störung, in ihrem Kopf spielt sich eine ganz andere Welt ab, als in der Wirklichkeit. Ihren Freunden kann sie sich nicht anvertrauen, aus Angst ausgestoßen zu werden. Als sie eines Tages ein Mädchen kennen lernt, das sie in einen geheimen Dichterclub mitnimmt, entdeckt sie die Macht der Gedichte, der Sprache und der Worte. Sie spürt, dass die Gedichte etwas in ihr verändern. Sie verleihen ihr Mut, sich anderen zu öffnen und vor allem sich selbst zu akzeptieren. Wir dürfen erleben, wie sich Sam entwickelt. Eine spannende Geschichte, die den Leser überrascht und dennoch realistisch bleibt.







Reading Teens

Eins

von Sarah Crossan
aus dem Mixtvision Verlag
Ab 14


Tippi und Grace sind siamesische Zwillinge, sie gehören zu dem seltenen Ischiopagus Tripus Typ. Sie haben zwei Köpfe, zwei Herzen, vier Lungenflügel und Nieren. Sie haben auch vier Arme und ein Paar voll funktionstüchtige Beine, seit das verkümmerte Bein kupiert wurde wie der Schwanz eines Hundes. Ihre Därme beginnen getrennt und verschmelzen dann. Unterhalb sind sie eins. Die beiden Mädchen sind 16 Jahre alt und werden in Kürze mit dem normalen Schulalltag konfrontiert. Da der Vater (zu viel Alkohol) trinkt und die Mutter ihren Job verloren hat, können sie sich den Privatunterricht nicht mehr leisten.
Trotz ihrer schwierigen Situation kann sich der Leser mit Tippi und Grace identifizieren.
Die Autorin benutzt die Versform als Erzähltechnik. Sie schafft es, mit wenigen Worten Spannung zu erzeugen und den Leser emotional zu berühren.
Schon als einzelner Mensch ist es schwer, seine eigene Persönlichkeit zu finden. Den Zwillingen gelingt es trotz ihrer Beeinträchtigungen, sich zu entfalten. Außerdem wachsen die Heldinnen dem Leser im Laufe der Geschichte so sehr ans Herz, dass man sie so schnell nicht wieder vergisst.





Pankover Leseclub

Wir beide wussten, es war was passiert

von Steven Herrick
aus dem Thienemann Verlag 
Ab 13


„Ich würde allein fortgehen, denn du kannst nicht denen vertrauen, die die Regeln brechen wollen, und erst recht nicht denen, die die Regeln machen, deshalb tust du das einzig Mögliche. Du meidest die Regeln.“ (S. 25)
Steven Herricks Roman Wir beide wussten, es war etwas passiert beschäftigt sich auf stille und vorsichtige Weise mit der Geschichte einer Freundschaft zwischen drei sehr verschiedenen Menschen. Während Caitlin versucht, ihrem reichen Elternhaus zu entfliehen, und in einem Fast-Food-Restaurant putzt, findet Billy Freiheit in einem Leben außerhalb der Gesellschaft. Dort begegnet er dem obdachlosen Alkoholiker Old Bill, der sich selbst längst aufgegeben hat. Alle drei schildern ihre gemeinsame Geschichte aus der jeweils individuellen Perspektive. Die inneren Monologe der Protagonisten sind in lyrische Form gesetzt, so entsteht neben der Handlung Raum für eigene Gedanken. Diese Leerstellen und die leisen Zwischentöne berühren und regen dazu an, die eigenen Werte und Einstellungen zu hinterfragen. Der einfache Stil und die schnörkellose Sprache ermöglichen eine hohe Identifikation mit den Figuren. Die ungewöhnliche Begegnung mit drei Einzelgängern, die zu einer engen Gemeinschaft werden, geht über das Bekannte hinaus und hallt nach.





Leseclub 2.0

Nur drei Worte

von Becky Albertalli
aus dem Carlsen Verlag
Ab 14


Warum ist „normal“ eigentlich weiß, hetero, christlich? Das fragen sich Simon und seine Internetbekanntschaft Blue. Simon ist homosexuell. Das ist gesetzt. Wie mag sein Umfeld mit einem Outing umgehen? Und was ist mit der Welt überhaupt los, in der man sich outen muss, nur weil man homosexuell ist? Simon erzählt nachdenklich und schneidet viele Themen wie Sexualität, Herkunft, Identität, Religion und Freundschaft an. Die E-Mails zwischen ihm und Blue greifen diese auf und setzen sich doch ganz anders damit auseinander. Anonymität, dann Freundschaft und Liebe, ermöglichen einen unverstellten, in jedem Fall humorreichen Schlagabtausch. Problembuch? Nein, aber auch. Liebesgeschichte? Ja, aber nicht nur. Je nach Interesse ist ein Lesen auf verschiedenen Ebenen möglich. Das Buch macht Spaß, vor allem durch die Referenzen zur Jugendkultur, wie die Liebe zu Harry Potter, die Nutzung von Tumblr und die Serien-Fandoms.
Die Autorin schafft es, mit psychologischem Feingefühl und Witz Identitätsfindung zu schildern und Normalität zu hinterfragen.
In (zweimal) nur drei Worten: Was ist normal? Alles und nichts!






Würzburger Jugendleseclub Lesezeichen

Vierzehn

von Tamara Bach
aus dem Carlsen Verlag
Ab 14


Beh war vor den Ferien und den größten Teil des Sommers schwer krank. Am ersten Schultag sieht sie ihre Freundinnen nach zwei Monaten wieder. Doch es ist viel passiert, und Beh empfindet eine unangenehme Distanz. Auch die Trennung der Eltern beschäftigt sie sehr. Mit ihrem Vater kann sie nicht mehr richtig reden, und sie fühlt sich nicht wohl in ihrer Haut. Der Einzige, der Beh ein Lächeln aufs Gesicht zaubern kann, ist Anton ...

Bach lässt die 14-Jährige eine scheinbar unspektakuläre Geschichte erzählen. Das tut sie so, wie man es von Selbstgesprächen oder Gedanken kennt: In der zweiten Person. Dadurch nimmt sie den Leser mit auf eine besondere Reise, zumal Beh eine genaue Beobachterin ist. Es ist eine kitschfreie Erzählung über eine erste Liebe, die als unsichtbare Energiequelle alles Schwere im Leben etwas leichter macht und eine Art Schutzhülle bildet.

Völlig authentisch beschreibt Bach in ihrem stark reduzierten Stil Behs Gefühle und ihre Lebenssituation. Ihre Sprache ist unverkennbar: schnörkellos, pragmatisch und doch poetisch und hintergründig. Dank der vielen Leerstellen ermöglicht der großartige Roman sehr unterschiedliche Lesarten.






Leseclub Karigis

Mein bester letzter Sommer

von Anne Freytag
aus dem Heyne Verlag
Ab 14


Tessa wird sterben. Seit ihrer Geburt leidet sie an einem inoperablen Herzfehler, der sie von Tag zu Tag mehr schwächt. Sie ist wütend und traurig zugleich, sie fühlt sich betrogen um die vielen Situationen, die sie niemals erleben, und die Erfahrungen, die sie nicht mehr machen wird. Und sie ist wütend auf sich selbst, wütend auf ihre Art, stundenlang über Dinge nachzugrübeln, anstatt den Moment zu genießen.
Doch dann lernt Tessa Oskar kennen und lieben, der ihr Leben komplett auf den Kopf stellt. Oskar steht ihr bei, er lässt sich nicht von Tessas immer wiederkehrenden Schmerzattacken abschrecken und überrascht sie in ihrem besten letzten Sommer mit einer Reise durch ihr Sehnsuchtsland Italien. Mit Oskar an ihrer Seite spürt Tessa, dass ein Augenblick zwar manchmal zu wenig, aber dennoch alles sein kann.
Durch den Roman wird der Leser in Tessas Gedanken mit hineingezogen. In ihre Höhenflüge der ersten großen Liebe zu Oskar, aber auch in ihre Tiefschläge, die sich in Schmerzanfällen zeigen, die in immer kürzeren Abständen auftreten.
Ihre Gedanken über den Tod sind schonungslos, manchmal erschreckend detailliert und berühren den Leser zutiefst. Ihre Botschaft, das Leben in vollen Zügen zu genießen, finden wir zeitlos und bedeutsam.

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