Nominierungen 2017

Der Leseclub Augustiniok ist in der Jugendjury des Deutschen Jugendliteraturpreises.


Posts mit dem Label Alisa (16) werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Alisa (16) werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 23. April 2015

Die Schatten von London

Der Tag von Rorys Ankunft im alterwürdigen Internat Wexford ist gleichzeitig der Tag, an dem eine Mordserie beginnt, die ganz London in Atem hält. Jack the Ripper ist zurück, oder vielmehr jemand, der exakt die Taten des Serienmörders kopiert. Unter den Augen der an den Bildschirmen mitzitternden Londoner Bevölkerung tötet der Ripper trotz Überwachungskameras und observierenden Hubschraubern weiter – und lässt die Polizei alt aussehen, so ganz ohne Zeugen. Was keiner weiß: Eine einzige Zeugin gibt es – Rory. Die junge Amerikanerin ist die Einzige, die den Mörder gesehen hat. Womöglich auch die Einzige, die ihn sehen kann? Und plötzlich ist der Ripper hinter Rory her ...

Ich bin eigentlich nicht der größte Fan von Urban-Fantasy, aber dieses Buch vermochte es, mich komplett in seinen Bann zu ziehen! Maureen Johnson kann mit wenigen, leichten Worten eine fiebrige Spannung erzeugen, sie lässt sie dunklen Straßen von London lebendig werden und flicht das Paranormale äußerst geschickt in ihre Handlung ein. Binnen zweier Tage hatte ich den Roman verschlungen!
Anfangs war ich etwas kritisch, da mir die Beschreibung des Internatslebens zu klischeehaft und seine Bewohner zu stereotyp erschienen. Außerdem hatte ich den Eindruck, die Handlung würde nicht in Schwung kommen. Dieses Gefühl hat die Autorin aber ab der fünfzigsten Seite revidieren können. Liebenswerte Nebenfiguren „geisterten“ durch die Seiten und auch die Hauptfigur Aurora (Rory) wurde mir zunehmend sympathischer. Sie unterscheidet sich auf wunderbare Weise von den klassischen Fantasy-Protagonistinnen. Ihr Humor und ihre sarkastische Ader lockern den Plot an den richtigen Stellen auf und lassen den Leser wissen, dass sich dieses Buch selbst nicht so ernst nimmt. Außerdem mochte ich Rorys amerikanischen Charme und die Anekdoten über ihre verschrobene Verwandtschaft. Zu diesen positiven Merkmalen gesellt sich dann noch eine beträchtliche Portion Mut, die sie Jack the Ripper die Stirn bieten lässt, anstatt sich winselnd hinter einem blondlockigem, muskulösem Geliebten verstecken zu müssen.
Apropos: Was die Liebesgeschichte angeht, hat Maureen Johnson sich auf herrliche Weise zurückgehalten. Weder rückt diese in den Vordergrund, noch ist von ewiger Verbundenheit, Seelenverwandtschaft und Engelschören die Rede. Hier begegnen sich einfach zwei junge Menschen, die einander charmant finden und beschließen, mehr Zeit miteinander verbringen zu wollen. Erfrischend realistisch!
Das Ende des Buches ist zwar in sich abgeschlossen, gibt aber zugleich einen sehr interessanten Ausblick auf den nächsten Band. Ich für meinen Teil freue mich schon darauf!

„Die Schatten von London“ erhält 5 Marienkäfer von mir




Gelesen von Alisa

Freitag, 17. April 2015

Die Mitte von Allem


Clare liebt ihren Bruder Luke über alles – er ist ihr strahlender Held, mit dem sie Abenteuer erlebt, der ihr das Schwimmen beibringt und der sie beschützt. Seit ihrer Kindheit sitzt Luke jedoch immer wieder im Gefängnis. Als er nun nach vier Jahren frühzeitig entlassen wird, hofft sie, dass er sich dieses Mal geändert hat. Aber bald darauf wird Luke erneut verhaftet. Während Clares Eltern versuchen, den schönen Schein zu wahren, und Luke immer wieder mit offenen Armen empfangen, beginnt Clare, an seiner Unschuld zu zweifeln. War er nur zur falschen Zeit am falschen Ort? Als Clare schließlich selbst in Lukes Machenschaften hineingezogen wird, will sie wissen, wer ihr Bruder wirklich ist. Sie geht der Vergangenheit auf den Grund. Doch was sie dort findet, übertrifft ihre schlimmsten Befürchtungen.

Um dieses Buch zu lesen, habe ich erneut mein angestammtes Genre der Fantasy verlassen, und ich muss sagen, dass ich nicht enttäuscht wurde. „Die Mitte von Allem“ ist ein Familiendrama und zugleich eine sehr ergreifende Geschichte über das Erwachsenwerden, über das Gefühl, den Eltern nicht zu genügen, über kindliche Naivität und über das unschöne, unvermeidliche Erwachen. Der Roman ist in der Ich-Perspektive geschrieben, was es dem Leser möglich macht, sehr direkt an dem Innenleben der Protagonistin Clare teilzuhaben. Und ihr Innenleben ist das eigentliche Thema. Tatsächlich konzentriert sich die Autorin so massiv auf Clares Denken und Fühlen, dass die anderen Figuren in den Hintergrund rücken und zu charakterlosen Schablonen verblassen. Was mich in einem anderen Buch gestört hätte, wirkt hier jedoch recht passend, da Clare zuweilen wirklich das Gefühl hat, in ihrem eigenen Kopf gefangen zu sein und sich immer mehr von der Außenwelt zu distanzieren. Dennoch: Ein wenig mehr Farbe hätte weder Clares Freunden, noch ihrem zweiten Bruder oder ihrem (sterbenslangweiligen) Schwarm geschadet.
Der Schreibstil des Buches ist recht schlicht und schnörkellos gehalten, sodass man „Die Mitte von Allem“ auch noch nach einem langen Arbeitstag, geistig umnachtet oder mit Geräuschshintergrund lesen kann. Trotzdem gelingt es der Autorin, Emotionen so mühelos zu transportieren, dass meine Augen zuweilen gebannt an den Seiten klebten. Auch einige literarische Kunstgriffe konnte mich begeistern, so zum Beispiel das Familienskelett Skel, das uns als klappernde, brandyschlürfende, radschlagende Metapher durch die ganze Handlung begleitet. Ehrlich gestanden war der Knochenmann meine Lieblingsfigur.
Ein weiterer Pluspunkt sind die vielen Rückblicke in die Vergangenheit, die mir begreiflich machten, warum Clare ihren Bruder Luke so innig liebt und warum es ihr anfangs so schwer fällt, an ihm zu zweifeln.
Das macht es umso interessanter, ihre Entwicklung zu beobachten, mitzuerleben, wie sie die teils schrecklichen Erfahrungen ihrer Kindheit aufarbeitet, wie sie sich zunehmend von ihren Eltern emanzipiert und auch aufhört, Luke in ewig goldenem Licht zu sehen. 

Ich würde diesem Buch vier wohlverdiente Marienkäfer geben!
Altersempfehlung: ab 14 

 



Gelesen von Alisa

Donnerstag, 26. März 2015

Zwillingssterne


 

von Christina Moracho

aus dem Königskinder Verlag

 
Seit ihrem sechsten Lebensjahr sind sie unzertrennlich. Spielen zusammen. Fallen die Kellertreppe runter. Erst Oliver, dann Althea. Sie zelten im Garten, schwimmen im Atlantik, betrinken sich an Halloween. Küssen sich das erste Mal unter einem Ahornbaum. Er sie; sie ihn. Im Juni. Und als Oliver das nächste Mal aufwacht, ist es August. Während er schläft, fängt Althea an zu rauchen und färbt sich die Haare. Während er schläft, verändert sich alles zwischen ihnen. Und als er aufwacht, ist nichts mehr wie es einmal war.
Zwillingssterne" habe ich als eine Art Lückenfüller von meiner Mutter ausgeliehen und ehrlich gestanden erwartete ich eine banal-sentimentale Liebesgeschichte à la Wir sind Sandkastenfreunde und nach einigen mehr oder minder schwerwiegenden Komplikationen werden wir ein Paar". Was ich stattdessen fand, war ein kleines Juwel im Jugendbuchgenre!
Nicht nur, dass Olivers seltene Schlafkrankheit (KLS) eine Vielzahl an Problemen aufwirft, ihn immer mehr von Althea entfremdet, ihm den Platz in ihrem Leben stiehlt und zudem auch komplett verunsichert und orientierungslos in seinem eigenen Leben zurücklässt, auch beschäftigt sich das Buch mit dem Erwachsenwerden an sich, einer Aufgabe, die Althea beinahe unüberwindlich erscheint. Ohne Oliver droht sie, an ihrem Alltag zu scheitern, sie fühlt sich unzureichend und verliert den Halt.
An dieser Stelle ist noch anzumerken, dass die Autorin imstande ist, das Leben und Fühlen junger Menschen sehr schonungslos und authentisch darzustellen. Sie schreckt auch vor einer gröberen, vulgären Wortwahl nicht zurück. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Passagen, die mit wunderschönen Metaphern geschmückt, luftig leicht und beinahe schon poetisch sind. Diese Ambivalenz in der Schreibweise ist ein wichtiger Punkt dafür, dass ich das Buch mit Freuden gelesen habe. Ein weiterer Punkt sind die Charaktere der beiden Protagonisten. Sowohl der ruhige, bedachte Oliver als auch sein spröder, impulsiver Zwillingsstern Althea wurden mit Ecken und Kanten versehen, die mir ihre Persönlichkeiten erst greifbar machten.
Das Ende des Romans ist genauso real und unkonventionell wie seine Handlung. Wer ein schillerndes Happy End erwartet, wird enttäuscht werden. Meiner Meinung nach wäre ein schillerndes Happy End dem Buch aber auch nicht gerecht geworden.
Alles in allem erhält Zwillingssterne" eine klare Leseempfehlung und fünf Marienkäfer von mir!
Wegen der teilweise doch sehr ordinären Wortwahl und gewissen sexuellen Aspekten, würde ich das Buch allerdings etwas älteren Lesern (14-18 Jahre) empfehlen.
 
 

 
 
 
Gelesen von Alisa (16)


Sonntag, 22. Februar 2015

Buchbesprechung von Alisa (16)

Antlantia 

von Ally Condie aus dem FJB Verlag


Ich will an dieser Stelle erwähnen, dass ich die Erfolgstrilogie „Cassia und Ky“ nicht gelesen habe und „Atlantia“ darum mit einer neutralen Erwartungshaltung begann.
Was mir an dem Buch gefallen hat, war vor allem die innovative Idee einer Unterwasserstadt mit eigener Religion und faszinierender Architektur. Die Vorstellung, ganze Meilen von der Oberfläche entfernt zu sein, war aufregend und beängstigend zugleich, und gab meinem Kopfkino ordentlich Zündstoff.
Ein weiterer positiver Aspekt war für mich die Beziehung zwischen den beiden Schwestern Bay und Rio. Rio, die Maschinistin mit der Sirenenstimme, die eigentlich immer nur das „Oben“ sehen wollte und Bay, die Priesterin mit dem sanften Herzen, die Atlantia über alles liebt.
Rios Verstörung und ihre Verletztheit, als die geliebte Schwester sie verlässt, um selbst nach oben zu gehen, waren sehr authentisch geschildert. Alles in allem hat das Buch eine Reihe schöner Ideen zu bieten – die drei Wunder, die eisernen Bäume, der unaufgeklärte Mord an ihrer Mutter – die meiner Meinung nach jedoch nicht packend genug umgesetzt wurden.
Ich bin mir nicht sicher, ob es an dem monotonen, leichten Schreibstil lag, an den flach bleibenden Charakteren oder an der fehlenden Spannung, aber mitreißen konnte mich „Atlantia“ leider nicht.
Die Liebesgeschichte zwischen True und Rio war in meinen Augen so nichtssagend und austauschbar, dass man sie gut und gerne weglassen hätte können.
Dennoch habe ich das Buch sehr schnell zu Ende gelesen, es eignet sich sehr gut dafür, abzuschalten und sich ohne große geistige Anstrengung auf den Meeresgrund entführen zu lassen.
Auch glaube ich, dass mir „Atlantia“ deutlich mehr zugesagt hätte, wenn ich noch jünger wäre. Ich würde das Buch daher für Jugendliche zwischen zwölf und vierzehn Jahren empfehlen.



Alisa (16)